Jörg Klause ist Trassenmanager bei Captrain Deutschland und seit Januar 2025 Nutzer des Bahn
Baustellen Managers (BBM). Im Interview erzählt er aus erster Hand, wie sich seine Arbeit seit der
Einführung des Tools verändert hat – von der Bewertung von ZVF und FPLO über die
Zusammenarbeit mit Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) und der DB Infrago bis hin zur
Vorbereitung auf die Generalsanierung des deutschen Schienennetzes.
Wie viel Raum nimmt das Thema Baustellen auf der Schiene in Ihrem Arbeitsalltag
ein?
Das Baustellenmanagement ist eine meiner Hauptaufgaben. Ein Großteil meiner Arbeitszeit fließt
in die Bearbeitung der Jahresfahrpläne sowie der daraus resultierenden ZVF und FPLO. Den BBM
nutze ich dabei als feste Unterstützung in meinem Tagesgeschäft. Für mich ist das Tool
inzwischen unverzichtbar geworden, weil das Ausmaß der Baumaßnahmen mit klassischen Mitteln
gar nicht mehr zu bewältigen wäre.
Seit wann arbeiten Sie mit dem BBM, und wie häufig nutzen Sie es?
Ich arbeite seit Januar 2025 mit dem BBM – und das täglich, mehrfach am Tag. Jeden Morgen
sichte ich dort meine ZVF und FPLO, bewerte sie, beantworte die Ersteller und trage meine
Ergebnisse direkt im System ein. Auf dieser Basis erstelle ich regelmäßig Auswertungen für die
Eisenbahnverkehrsunternehmen, mit denen wir kooperieren, und bereite die relevanten
Informationen kompakt für deren Planungsteams auf.
Wie haben Sie Baustellenmeldungen vor dem BBM verwaltet und was war dabei
besonders mühsam?
Vor dem BBM habe ich mit einer losen Blattsammlung, Ordnern und selbst gepflegten ExcelTabellen gearbeitet. Jede neue Version einer ZVF oder FPLO musste ich manuell mit der
vorherigen vergleichen, ohne dass es eine systematische Unterstützung dafür gab. Besonders
mühsam war es, wenn sich größere Mengen an Unterlagen angesammelt hatten, etwa nach
Abwesenheiten – das Zurechtfinden in den Papierstapeln hat mich dann zusätzlich Zeit gekostet,
bevor ich überhaupt mit der eigentlichen Arbeit anfangen konnte.
Würden Sie sagen, dass der BBM Ihnen tatsächlich Zeit spart? Können Sie das
beziffern?
Ganz klar ja. Im Vergleich zu meiner vorherigen, papierbasierten Arbeitsweise spare ich durch den
BBM rund 50 Prozent meiner Zeit. Besonders wertvoll ist für mich dabei das automatische
Einlesen von ZVF und FPLO sowie die Möglichkeit, meine früheren Bewertungen direkt im System
nachzuschlagen, statt sie in Excel-Tabellen oder Aktenordnern zu suchen.
Wie hat sich die Fehleranfälligkeit Ihrer Arbeit seit der Nutzung des BBM verändert?
Auch hier sehe ich eine deutliche Verbesserung. Klassische Fehlerquellen wie Verwechslungen
von Auftragsnummern oder falsch einsortierte und verlorene Unterlagen entfallen durch das
automatische, fehlerfreie Einlesen der Daten im BBM nahezu vollständig. Nach meiner eigenen
Einschätzung sinkt mein Fehlerrisiko durch den BBM um etwa 30 Prozent gegenüber meiner
früheren manuellen Bearbeitung.
Was ist der größte Vorteil, den Sie am BBM nicht mehr missen möchten?
Für mich ist es die Kombination aus Zeitersparnis und Sicherheit im Arbeitsalltag. Durch den BBM
finde ich Informationen zuverlässig wieder, nichts geht verloren oder wird falsch abgelegt, und
auch bei Abwesenheiten bleibt meine Arbeit nachvollziehbar dokumentiert. Das gibt mir ein Gefühl
von Verlässlichkeit, das mir in der vorherigen, rein papierbasierten Arbeitsweise gefehlt hat.
Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit catkin im Tagesgeschäft?
Ich erlebe die Zusammenarbeit mit catkin als unkompliziert und persönlich. Meine Anliegen und
Verbesserungsvorschläge werden schnell aufgenommen und, wo sinnvoll, zeitnah umgesetzt.
Wovon im Übrigen häufig auch andere Eisenbahnverkehrsunternehmen profitieren. Besonders
schätze ich, dass ich als Kunde das Gefühl habe, gehört zu werden, und dass der direkte
Austausch mit dem catkin-Team unmittelbar in Verbesserungen am Tool mündet.
Wie wirkt sich der BBM auf die Kommunikation mit Kunden und Partnern aus?
Die Kommunikation hat sich für mich spürbar vereinfacht. Wo ich früher aufwendig in Tabellen und
Unterlagen nachschlagen musste, kann ich heute direkt im BBM nachvollziehen, welche
Bewertung ich zu einer ZVF oder FPLO vorgenommen habe, und diese Informationen klar und
nachvollziehbar an Planungsteams weitergeben – etwa bei Fahrplanänderungen oder
Zugausfällen. Das sorgt für kürzere, präzisere Abstimmungen mit Partnern wie DB Cargo.
Wie bewerten Sie das Preis-Leistungs-Verhältnis des BBM im Vergleich zu anderen
Anbietern?
„Das Preis-Leistungs-Verhältnis hat uns wirklich überzeugt. und ich sage das ganz ehrlich. Wir
haben auch andere Anbieter kennengelernt, bei denen jede einzelne Anpassung oder Erweiterung
separat und zu erheblichen Kosten abgerechnet wurde. Beim BBM ist vieles bereits von Haus aus
enthalten. Und wenn eine Änderung sinnvoll ist und mehreren Nutzern zugutekäme, wird das bei
catkin gemeinsam bewertet und umgesetzt – ohne dass jeder Einzelne dafür extra zur Kasse
gebeten wird. Das hat auch unserer Geschäftsführung gut gefallen.“
Welche Herausforderungen sehen Sie in der derzeitigen Situation im Güterverkehr?
Ich erlebe ein zunehmend komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren: ein historisch
verschlanktes, stellenweise stark ausgelastetes Streckennetz, begrenzte Zuglängen an einzelnen
Bahnhöfen, Anforderungen an die Orts- und Streckenkunde von Lokführern sowie eng getaktete
Terminalkapazitäten im Containerverkehr. Gerade im Just-in-Time-Geschäft führen
Verzögerungen bei uns schnell zu spürbaren Folgekosten – sowohl für uns als
Eisenbahnverkehrsunternehmen als auch für unsere Kunden.
Wie verändert die Generalsanierung des Schienennetzes die Komplexität Ihrer
Arbeit – und merken Sie diesen Anstieg bereits in der Praxis?
Ja, ganz konkret. Ich bin aktuell unmittelbar von der Generalsanierung der rechten Rheinstrecke
betroffen, in den kommenden Jahren folgt die linke Rheinstrecke. Aus meiner Erfahrung bedeutet
das deutlich mehr Abstimmungsbedarf – sowohl mit der DB Infrago als auch zwischen den
verschiedenen Eisenbahnverkehrsunternehmen, die zunehmend direkt miteinander statt nur über
die DB kommunizieren. Ich beobachte hier einen positiven Trend hin zu mehr Kooperation: Wir
stimmen uns inzwischen aktiv ab, um Kapazitäten gemeinsam zu nutzen und Strecken zu
entlasten.
Wo sehen Sie in fünf Jahren die größten Herausforderungen im
Baustellenmanagement und welche Rolle spielen digitale Tools wie der BBM dabei?
Ich rechne damit, dass der Abstimmungsbedarf durch weitere Großprojekte wie die
Generalsanierung weiter zunehmen wird. Aus meiner Sicht wird es immer wichtiger,
Baustelleninformationen schnell, übersichtlich und fehlerfrei zu erfassen und an alle Beteiligten
weiterzugeben. Digitale Tools wie der BBM sehe ich dabei als zentrale Voraussetzung, um diese
wachsende Komplexität in meiner Arbeit als Trassenmanager überhaupt noch bewältigen zu
können.
Wir bedanken uns herzlich bei Jörg Klause für seine Zeit und die offenen, praxisnahen Einblicke in seinen Arbeitsalltag als Trassenmanager!
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